Wie man gut mit Machtkämpfen in der Liebe umgeht

Wolfgang Krüger rund

Rat von Dr. Wolfgang Krüger
Psychotherapeut und Buchautor

Woran scheitert die Liebe? Es sind nicht die alltäglichen Konflikte, die ständigen Meinungsverschiedenheiten, die zum Zerfall der Liebe führen. Vielmehr sind es die Machtkonflikte, die jede Auseinandersetzung radikalisieren.

Ein alltägliches Beispiel: Wenn er zu wenig redet, stellt sie zunehmend die Erotik ein und er redet noch weniger. Ein Teufelskreis beginnt, den Sie in Ihrer Partnerschaft daran spüren, dass keiner mehr auf den anderen eingeht, dass die Bemühung zum Kompromiss und zur Einigung fehlt.

Und dies gibt es in jeder Partnerschaft, wobei die stillen Machtprozesse am problematischsten sind, bei denen man Dinge vergisst, weniger Anerkennung gibt und sich zurückzieht. Vor allem diese stillen Machtprozesse müssen wir frühzeitig erkennen, weil sie sich sonst verfestigen.

Allerdings gewöhnen wir uns oft an diese Machtprozesse und häufig hat auch der*die Partner*in eine gute Erklärung dafür, dass er*sie immer zu spät kommt oder vieles vergisst. Und deshalb resignieren wir allmählich und schrauben unsere Ansprüche zurück. Dadurch fühlen wir uns zwar nicht mehr so ohnmächtig, aber viele unserer Wünsche bleiben unerfüllt.

Deshalb sollten Sie gelegentlich eine Phantasiereise unternehmen und sich überlegen, welche Ihrer Wünsche nicht in Erfüllung gehen und wo der Partner oder die Partnerin nicht auf Sie eingeht.

Anschließend werden Sie vielleicht traurig sein oder wütend und wahrscheinlich sind Sie entschlossen, mit dem Partner darüber zu reden. Das ist grundsätzlich wichtig und richtig. Aber leider scheitern solche Gespräche oft, weil sie ein Teil der Machtprozesse sind, bei denen sich der Partner fortwährend verweigert. Deshalb hat es häufig wenig Sinn, dass Sie ihn oder sie auffordern, mehr zu reden, mehr in der Küche zu helfen, Ihnen den Rücken zu massieren oder Anerkennung zu geben. Denn oft endet dies in ‚Schallplattengesprächen‘, bei denen immer wieder die gleichen Vorwürfe und Bedürfnisse geäußert werden. Aber es passiert nichts, weil der Partner oder die Partnerin alles blockiert.

Dann sollten Sie bitte aus den Streitgesprächen aussteigen, indem Sie die drei folgenden Hinweise beherzigen:

  • Machtprozesse können Sie nur bewältigen, wenn Sie mehr in Ihre Freundschaften investieren, indem Sie unabhängiger leben. Sie sollten erreichen, dass Sie der Partner dadurch wieder mehr ernst nimmt und respektiert und an einer guten Lösung der Konflikte interessiert ist.
  • Eine positive Auflösung der Machtprozesse ist dann aber nur möglich, wenn der*die Partner*in spürt, dass auch seine*ihre Wünsche in Erfüllung gehen. Stellen Sie also eine Win-win-Situation her, bei der Sie vorschlagen, dass jeder einen Wunsch äußern darf, auf den der andere eingeht.
  • Die meisten Machtkonflikte werden nicht durch Gespräche, sondern schweigend ausgetragen. Man kommuniziert dann mit Stimmungen. Und hier sind Sie souveräner, wenn Sie sehr präsent sind, sehr lebendig, weil Sie sich für die Entwicklung Ihres Lebens selbst verantwortlich fühlen. Überlegen Sie bitte daher: Welche Lebensprojekte schieben Sie auf? Wollten Sie schon immer eine Fremdsprache erlernen, mehr Sport machen, auf die Ernährung achten? Kämpfen Sie vor allem mit sich selbst und den eigenen Entwicklungszielen, damit Sie beim Partner zufrieden und zuweilen auch abgekämpft sind.

Auf dieser Basis sind dann auch Partnerschaftsgespräche sinnvoll, wobei Sie immer auf ein Durchhaltevermögen angewiesen sind, weil der oder die Andere erfahrungsgemäß erst nach einigen Anläufen auf wichtige Konfliktpunkte eingeht.

Mehr Wissen und praktischen Rat zu diesem Thema finden Sie in meinem Buch: Macht und Leidenschaft in der Liebe

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